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Die Baumspitze

Vorweg: Wir werden beim Thema Weihnachtsbaumspitze keine Einigung finden! Für die einen ist ein Baum ohne Schmuckspitze undenkbar, andere finden Baumspitzenaufsätze einfach nur grässlich. Die meisten befinden sich irgendwo dazwischen.

Fragt sich zunächst: Warum braucht der Weihnachtsbaum eine geschmückte Spitze? Das natürliche obere Ende einer schönen Tanne ist an sich schon sehr attraktiv. Und bei Nordmanntannen, die kräftig wachsen und Zweige ausbilden, werden uns nicht selten auch mehrere Spitzen geschenkt. Da sähe das vielleicht auch irgendwie mehr nach Karneval aus, wenn die alle eine Schmuckspitze hätten…

Also, die Frage, ob Tannenbaumspitze oder nicht, überlassen wir jetzt hier einfach mal dem persönlichen Wohlgefallen der Baumschmücker (es sei denn, die Schwiegermutter hat Ihnen irgendwann mal eine Christbaumspitze geschenkt – dann haben Sie keine Wahl).

Was aber gibt es zu dem obersten Baumschmuck zu sagen, so wir ihn denn haben wollen?

Mal ehrlich: Ist Ihnen beim Anblick der klassischen Christbaumspitzen nicht auch schon mal die Assoziation einer preußischen Pickelhaube gekommen? Wenn ja, - dann liegen Sie gar nicht so verkehrt. Wir holen mal ein wenig aus.

Unsere althergebrachten, idyllischen Bilder und Symbole zu Weihnachten, stammen zu einem großen Teil aus dem deutschen Kaiserreich. Damals hatte das Tun und Lassen der Herrscher – in dem Fall die Familie des badischen Großherzogs - noch Vorbildfunktion. Und das Bild, welches sie vorlebten, wurde auch zu Weihnachten nachgeahmt:

Es wurden große Tannenbäume aufgestellt, unter denen sich die Familie zu Weihnachten versammelte. Die Herren trugen selbstverständlich Uniform mit allem errungenen „Lametta“ an Orden und Quasten, die Knaben erschienen im ebenfalls militärischen Matrosenanzug. Die üppigen Geschenke standen unter dem Baum. Klassischerweise erhielten Mädchen allerlei Puppen und Spielzeug-Haushaltsgegenstände, während die Jungen Trommel, Säbel, Bleisoldaten und Schaukelpferd zum Üben für den Ernst des Lebens bekamen. Noch heute gehören diese Gegenstände zum traditionellen Baumschmuck!

Man steckte damals auch nationale Symbole wie Fähnchen in den Landesfarben und geprägte Anhänger mit militärisch-technischen Motiven wie Zeppeline und Flugzeuge in den Weihnachtsbaum.

Tja, und es ist wirklich so: Die heute noch klassische Christbaumspitze sieht nicht zufällig aus, wie eine Pickelhaube – sie gehörte zu dem damals militärisch-patriotisch ausgerichteten Weihnachtsbaum der Kaiserlichen Familie. Und was Kaisers machten, das machten alle anderen, die es sich leisten konnten, auch. Und so hielt die Spitze, die eigentlich auf den Helmen Säbelhiebe ableiten sollte, Einzug in die weihnachtlichen Wohnzimmer und schleicht sich da heute noch, vollkommen unerkannt, als militärisches Symbol herum.

Mich hat als Kind die „Pickelhaube“ unseres Weihnachtsbaums immer an Alois Dimpfelmoser, den Polizisten aus Preußlers Hotzenplotz erinnert. Und das war für mich in Ordnung, denn der Dimpfelmoser war ein netter, wenn auch etwas einfältiger Kerl.

Aber ich schweife ab. Weihnachtsbaumspitze – ach ja, - heute gibt es viele Bemühungen, noch andere Varianten der Spitze zu erfinden. Einen aufsteckbaren Stern etwa oder einen Egel oder –äh, ja, das war es auch schon.

Aber man muss ja nicht immer irgendetwas wie einen Hut auf den Baum setzten. Sehr schön ist auch eine üppige Schleife, die sich – vielleicht etwas kleiner – noch hier und da im Baum wiederholt. Oder Sterne aus allen möglichen Materialien, die nicht aufgesteckt, sondern vorne vor befestigt sind. Wie immer gilt, dass alles höchst individuell ist – auch die Christbaumspitze.

Wir glauben: Eine wirklich schöne Tanne kann sich auch oben ohne sehen lassen!

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