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Die Weihnachtskugel

Schon sehr früh wurden Gebilde aus Glas in die Weihnachtsbäume gehängt. Wenn wir die Geschichte der klassischen Weihnachtskugel zurückverfolgen wollen, kommen wir an dem Städtchen Lauscha in Thüringen nicht vorbei. Es entstand vor ca. 400 Jahren rund um eine Waldglashütte.

So eine Glashütte ist nicht das, in dem man nicht mit Steinen werfen sollte, sondern eine Produktionsstätte von Waren aus Glas. Schon sehr früh wurden in Glashütten neben Flaschen auch Gläser für Lampen und Laboratorien hergestellt. Bald fertigten Glashütten in Deutschland auch dekorative Gegenstände, wie zum Beispiel Glasaugen für Puppen und Stofftiere oder eben – Baumschmuck! Die Christbaumkugel hatte ihre Wiege eindeutig in Deutschland. 1847 wurde sie zum ersten Mal produziert. Man weiß das so genau, weil es ein gut erhaltenes, historisches Auftragsbuch eines Glasbläsers gibt, in dem 1848 ein Eintrag über eine Bestellung von sechs Dutzend Weihnachtskugeln verzeichnet steht.

Schnell erkannte die Glasindustrie, dass sich hier ein großer Markt mit vielen Möglichkeiten eröffnete.

Sehr bald wurden nicht mehr nur Kugeln, sondern auch alle möglichen anderen Motive wie Herzen, Sterne, Glocken und Spielzeug oder Elemente aus der Weihnachtsgeschichte hergestellt.

Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts exportierte Lauscha Baumschmuck aus Glas in alle Welt. Durch die Firma Woolworth wurden diese Exporte von Weihnachtskugeln in den USA bekannt und die Amerikaner waren begeistert.

Dann kamen zwei Kriege und die Produktion der Glaskugeln in Deutschland ging drastisch zurück. Die Amerikaner stellten sich ihre Kugeln jetzt selber her – in erster Linie aus Plastik. Die sahen den Glaskugeln zwar sehr ähnlich, aber dennoch waren sie anders. Jetzt bekamen manche Kugeln auch den heute noch beliebten Frost- oder Schnee-Effekt.

Ab 1950, als in Deutschland langsam wieder Normalität zurückkehrte (und fast niemand mehr unversehrte Glaskugeln für den Weihnachtsbaum besaß), war alles umgekehrt: Amerika belieferte Deutschland mit Christbaumschmuck. Dass der jetzt aus Plastik war, galt als besonders familienfreundlich, denn dieser neue Schmuck war so gut wie unkaputtbar.

Lange konnten sich aber diese als eher seelenlos empfundenen Plastikdinger nicht halten. Der westdeutsche Markt wurde von Glaskugeln aus Asien geflutet, die jetzt auch die abenteuerlichsten Farbtöne annahmen. Früher hatte man hauptsächlich mit Gold, Silber und Rot, oder wenn es mal sehr extravagant sein sollte, mit Lila geschmückt. Jetzt kamen Kugeln in nahezu allen Farben und Nuancen. Von Apfelgrün über Pink, Türkis und Blau, ja sogar Schwarz war dabei.

Als sich 1989 die innerdeutsche Grenze wieder öffnete, konnten traditionelle Unternehmen, wie die Glashütten in Lauscha wieder ihre Produktion aufnehmen und die „echte deutsche“ Weihnachtskugel herstellen.

Vielleicht ist Ihnen beim Stöbern nach Baumschmuck schon öfter mal eine „Weihnachtskugel“ in Form einer grünen Gurke aufgefallen. Nein, das ist keine alberne neue Idee, sondern dazu gibt es eine kuriose Geschichte, die schon über 100 Jahre alt ist:

Als die Amerikaner die ersten deutschen Glaskugeln importierten, dachten die Händler sich allerlei Geschichten aus, um die Kugeln bekannt zu machen und für ihren Kauf zu werben. Eine dieser Geschichten erzählt, dass es bei den Deutschen die Tradition gibt, eine Gurke ganz tief innen, nah am Stamm im Weihnachtsbaum aufzuhängen. Die Kinder dürfen vor dem Baum stehen und mit den Augen diese Gurke suchen. Wer sie findet, bekommt ein besonderes Geschenk.

An dieser Geschichte ist definitiv überhaupt gar nichts Wahres dran gewesen. Die Amerikaner nahmen jedoch diese Deutsche „Tradition“ begeistert auf und es etablierte sich, einen „Christmas Pickle“ in den Baum zu hängen. Was in Deutschland lange Zeit ein absolutes Tabu war, schwappt heute gleichsam wieder zurück zu seinem erfundenen Ort der Erfindung und man kann auch hierzulande die gläserne Weihnachtsgurke erstehen.

Wir glauben: Sie werden schon selber wissen, ob ihnen das mit der Gurke Spaß macht, oder nicht.

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