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Lametta

Auf der Top-Ten-Skala der besten Weihnachtszitate aus Funk und Fernsehen steht eindeutig Loriots „Früher war mehr Lametta!“ ganz oben.

Und mit diesem Thema wollen wir uns jetzt mal näher befassen. Nein, nicht mit Opa Hoppenstedt, sondern mit Lametta!

Was ist das überhaupt für ein Wort: Lametta? Angeblich soll es aus dem Italienischen stammen, weil Lama eine Messerklinge und Lametta eine Verniedlichung derselben bzw. die Bezeichnung für eine sehr feine, scharfe Klinge ist. Fragt sich, wieso ausgerechnet die Nürnberger, die das Lametta erfunden haben sollen, ein Italienisches Wort dafür wählten. Vielleicht weil es hübscher klingt als, „Metallstreifen“? Na ja, wie auch immer.

Angeblich wurde das Lametta erfunden, um den Eindruck von Eiszapfen am Tannenbaum zu erwecken.

Die Aussage „Früher war mehr Lametta!“ hat dabei eine im doppelten Sinn wahre Bedeutung. Die Älteren unter uns (wie sich das wieder anhört – als würden wir schon tatternd am Stock gehen) erinnern sich wahrscheinlich, dass sich Lametta in ihrer Kindheit viel schwerer und kühler angefühlt hat, als heute.

Stimmt auch! Denn damit der glitzernde Baumschmuck schön schwer und gerade herunterhängt, wie es Eiszapfen nun mal tun, wurde im Kern der Lamettastreifen Blei verwendet. Nur außen herum wurde das glänzende Stanniol aufgetragen. Deshalb war Lametta sehr schwer und - sehr knitteranfällig.

Oh je – das knubbelige Lametta… Wehe, jemand ging unachtsam mit dem Lametta um! Es sollte ja mehrere Jahre halten! Man musste es sehr vorsichtig aus der Verpackung nehmen und dann ganz behutsam immer schön nebeneinander auf die Zweigspitzen hängen. Niemals durften die Längen des Lamettas angefasst werden! Die verknubbelten nämlich dann und wegen des Bleikerns blieben die fiesen Knicke und Falten da drin. Sparsam, wie man damals war, wurde das Lametta nach Weihnachten portionsweise vom Baum genommen, oben mittig mit Streifen von Butterbrotpapier zusammengebunden und vorsichtig für das nächste Jahr wieder in die Packung gelegt. An Heiligabend wurde es dann wieder heraus genommen und – ja, was jetzt kommt, stimmt wirklich! – die Längen wurden gebügelt!

Krass, oder? Damals hatten die Hausfrauen noch Zeit, Lametta zu bügeln! Man weiß nicht, ob man bei dem Gedanken heulen oder die Sorgsamkeit der heutigen Großmütter bewundern soll.

Heute besteht Lametta aus Kunststoff mit einem Metallmantel, ist wesentlich leichter und ein Wegwerfartikel. Schande über uns!

Lametta ist im Vergleich zum letzten Jahrhundert ziemlich aus der Mode gekommen. Das liegt womöglich daran, dass das fluffige Plastikzeugs einfach irgendwie unecht aussieht und überhaupt nicht mehr an Eiszapfen erinnert. Auf der anderen Seite haben die heutigen Generationen (hoffentlich) gelernt, dass man Ressourcen nicht einfach so verballern darf. Umweltschutzorganisationen raten jedenfalls dazu, vom Lametta Abstand zu nehmen.

Das wiederum hat Kulturhistoriker dazu gebracht, den „Niedergang des Lamettas als Ausdruck für die Entwurzelung des Menschen im Zeitalter der Globalisierung“ zu deklarieren. Man kann wirklich aus allem ein Drama machen! Hallo? Der Weihnachtsbaum ist ja schließlich noch da!

Und außerdem rollt schon längst die Retro-Welle und das „echte alte Bleilametta“ ist sehr begehrt. Wer noch Restbestände hat, kann sie im Internet verkaufen, auch wenn sie völlig verknubbelt sind. Denn die Leute setzten sich heute echt wieder hin, fummeln die einzelnen Streifen akribisch auseinander, bügeln das Zeug Millimeter für Millimeter und freuen sich dann über ihren nostalgischen Weihnachtsbaum. Das ist dann nicht mehr Hausfrauenarbeit, sondern so eine Art meditatives, nostalgisches Basteln.

Das „alte“ Lametta war übrigens fast immer silbern. Früher war goldenes Lametta auch verpönt. Eiszapfen sind nun mal silbern und Goldlametta galt als protzig. Heute würde man sagen, ein „No go!“.

Das federleichte Flatterzeugs, was heute als Lametta durchgeht, gibt es in allen erdenklichen Farben. Aber jeder soll es nach seinem Gusto machen. Schließlich ist Weihnachten und da kann man machen was man will. Lametta in Pink kann auch schön sein!

Wir meinen: „So, Kinder, und jetzt machen wir es uns schön gemütlich!“

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